07.05.23 – Rico

Bei unserer Ankunft auf der Insel Ibiza hatten sich dort schon viele weitere Sportler eingefunden.
Auf der Insel fanden die gesamte Woche die World Triathlon Multisport Championships statt, mit unter anderem Crossduathlon, Aquathlon, Duathlon und am Sonntag dann meinem Rennen, die Langdistanz Weltmeisterschaft im Triathlon. Am selben Ort – mitten in der Hauptstadt Eivissa – fand am Tag zuvor die European Open im Rahmen der PTO Tour statt. Jan Frodeno, Alistair Brownlee, Kristian Blummenfelt und viele weitere erfolgreiche Triathleten feuerten wir live an.

Am Tag darauf wollte ich als jüngster Starter über die Langdistanz zeigen, dass ich in die Weltspitze möchte. Zahlreiche gestandene erfolgreiche Athleten sind mit mir am Start, wie Clément Mignon, Joe Skipper, Josh Amberger und Richard Varga.

Die Ruhe vor dem Start – © World Triathlon – Petko Beier

Ich wählte mit Startnummer 9 die Aufstellung neben den bekannt schnellen Schwimmer Josh Amberger (links neben mir) und Richard Varga. Ob ich von deren Wasserschatten profitieren kann?

Der Startschuss ist gefallen – © World Triathlon – Petko Beier

8 Uhr ging es los. Einige Konkurrenten stürzten beim ins Meer rennen in die ca. 40 cm tiefe und 50cm breite Rinne, welche die umschlagenden Wellen gebildet haben. In dieses lange Loch war ich beim Einschwimmen getreten, umgeknickt und hingefallen. Im Wettkampf machte ich es besser und konnte mich gleich an die Spitze setzen. Erst bei der ersten Boje nach 600m fiel mir auf, dass 15m vor mir doch noch zwei Leute von links schneller waren. Mist dachte ich.
Ich beschleunigte und schwamm auf den nächsten 300m die Lücke zu, in meinem Wasserschatten kam Richard Varga mit – eigentlich sollte es umgekehrt sein.
Dann meine Fehlentscheidung. Ich glaubte Richard Varga nahm nicht den kürzesten Weg zur nächsten Boje und folgte ihm nicht. Er konnte gemeinsam mit Amberger in Führung gehen und beide setzten sich nach vorne ab.

Mit vier Verfolgern im Schlepptau stieg ich nach 3km als dritter aus dem Wasser. Mit schnellem Wechsel konnte ich zu den Führenden aufschließen und war sehr froh, die erste Radgruppe erreicht zu haben.

Auf dem Weg zur 116km langen Radstrecke – © Ricco Hoffmann

Als dann Clément Mignon das Kommando übernahm und beschleunigte setzte ich mich im zulässigen Abstand hinter ihm an zweite Position. Dabei hatten wir alle an unseren Sätteln und der Gabel Messgeräte von RaceRanger, die durch Änderung der Farbe anzeigten, ob der Abstand eingehalten ist. Eine sehr gute Sache, denn mit dem bloßen Auge hätte ich (sicherheitshalber) immer noch größeren Abstand gehalten.

Einer der vielen Anstiege – © Ricco Hoffmann

Besonders die zahlreichen Anstiege mit jeweils 3 bis 4min Dauer wurden für mich sehr hart. Dort musste ich oft über 400 Watt drücken, um dranzubleiben.
Aus unserer zu Beginn sechsköpfigen Spitzengruppe fielen immer mehr Konkurrenten ab.

Nach 50km, Ender der 1. Runde fuhr in in die Führung und in der 2. Runde winkte ich nur ab und zu mal Clément in die Führung. Weitere Triathleten folgten uns nicht mehr.

© World Triathlon – Petko Beier

Der komplette Wettkampf wurde auf Triathlon Live TV übertragen und ich bekam sehr viel Aufmerksamkeit, weil ständig auf mich als Führenden gehalten wurde.
Die Moderatoren kannten mich noch gar nicht richtig. Beim nächsten Mal werden sie bestimmt mehr über mich berichten können.

Auf den zweiten 60km-Runde mussten wir die sehr zahlreichen Agegrouper beachten. Da half schon mal unser Führungsmotorad. Die Sonne wurde auch immer heißer und meine Kraft weniger. Die Berge wurden nicht mehr so hart hochgedrückt. Insgesamt waren wir drei Minuten langsamer auf der zweiten Runde, machten aber auf unsere Verfolger weiter Boden gut.

Über 65km/h Richtung Wechselzone – © Ricco Hoffmann




















Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 41,7km/h und Normalized Power von 324 Watt stürmte ich als Führender in die zweite Wechselzone, hier auf dem Foto mit 60km/h bergab.

Mit einem schönen Vorsprung und der schnellsten Radzeit hatte ich die Wechselzone für mich alleine.

Nach fast 3 h Rad fühlten sich meine Beine bei den ersten Schritten noch nicht wirklich gut an und man musste erst in einen runden Laufschritt kommen.

Die ersten 10 km konnte ich einsam in der Führung mit einer 3:35 Pace/km laufen, weiter im TV übertragen.

Weiter in Fürhung – © Ricco Hoffmann
Es ging hin und her, insgesamt 24 Wendpunkte
Mitten durch Eivissa

Nach 10 km wurde ich vom schnellen Antonio Lopez überholt. Bis Kilometer 15 lag ich auf Rang drei.
Doch dann machte sich die lange ungewohnte Distanz bemerkbar und es waren ja noch „unendliche“ 14 km bis ins Ziel …

Nachfolgend ein Einblick in die sehr anspruchsvolle Laufstrecke:

Es geht steil hoch in die berühmte Burg der Hauptstadt von Ibiza.

Das Kopfsteinpflaster innerhalb der Burgmauern ist extrem unterschiedlich und sehr rutschig, ich rutsche einmal in einer Spitzkehre aus und stürzte hin. Das Fernsehmotorrad und Führungsrad hätten gar keine Chance gehabt, in die enge Burg zu kommen, deswegen gab es keine Live Bilder von der Burg.

Weiter steil hoch – © World Triathlon – Petko Beier

Immer weiter hoch mit vielen Kurven – © World Triathlon – Petko Beier
Über eine sehr enge Schlippe und Treppen ging es steil bergab-
Touristen kamen uns entgegen
Durch den Tunnel weiter steil hoch – © World Triathlon – Petko Beier
An der Küste entlang wieder runter – © World Triathlon – Petko Beier
Um die Insel im Hintergrund sind wir geschwommen.
Dann erneut sehr steil hinab zum Strand, wo unser Wasserstart war.
© World Triathlon – Petko Beier

Meine Muskulatur in den Waden und der Oberschenkelrückseite wurde immer fester und lies leider keinen kraftvollen Abdruck mehr zu. Mein Puls sank auf 140, mein Kopf sagte: „Komm Rico – mach schneller! Du bist immer noch Top 10“, aber meine Beine waren dazu einfach nicht zu bewegen.

5,5 h körperliche Höchstbelastung kannte mein Körper noch nicht. Und mein längster Lauf war bisher 24 km. Schritt für Schritt kam ich dem Ziel irgendwie trotzdem näher und finishte als gesamt 14.

Hier noch ein Link zum Interview direkt nach dem Rennen mit TriMag

Insgesamt kann ich mir nichts vorwerfen. Ich habe alles gegeben, mich im stark besetzten Feld nicht versteckt. Mein Körper war eine so lange Belastung noch nicht gewohnt. Was aber mit meinen 22 Jahren auch nicht ungewöhnlich ist.

Meine Zeit wird kommen, wo ich wieder als Erster vom Rad steige und die Führung beim Laufen nicht mehr aus der Hand gebe.